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Das Problem mit der Fiktion:

Während meines Seniorjahres im College machte ich meinen ersten Versuch im Schreiben. Ich wollte Schriftsteller werden. Also schrieb ich eine Novelle. Ich beendete sie, ueberarbeitete sie, wieder und wieder bis zu zwanzig Mal, besprach mich mit Verleger und Agenten und das, neun Jahre lang. Ich dachte es war ein Meisterwerk, brillant, wahre Kunst, experimentell , und neu in ihrer Art. In meinen Gedanken sah ich schon die Kritiken, die Akkoladen, die Preise, den National Book Award und den Pulitzer. Sieben Jahre spaeter haette ich das Geschreibsel nicht als Toilettenpapier verwendet.

Mag sein, dass das nur eine Frage der Perspektive ist. Mag sein, dass das Schreiben den Schriftsteller blind fuer seine eigene Arbeit macht. Oder, dass das ganz natuerlich mit dem Lauf der Zeit zusammenhaengt. Die Buecher, die ich mit zweiundzwanzig las und liebte sind nicht jene, die ich heute lese und liebe. Die Stories, die ich damals schrieb sind nicht die Storys, die ich heute schreibe. Sie koennen es nicht sein. Die Storys, die ich heute schreibe, haette ich nicht mit zweiundzwanzig schreiben koennen. Das ist gut so. Mein Prosa hat sich seit jener Zeit verbessert, das Resultat eines endlosen Arbeitens, Satz um Satz  auf der Suche nach mehr Klarheit, die jetzt ganz von selbst, ganz natuerlich kommt. Es ist wie bei dem Atleten, dem sein Trainer sagt alles was er bisher erlernte zu vergessen, und nur das zu tun was ihm ganz natuerlich kommt. Das ist – nach meinem Ermessen – der erste Schritt um hervorragende Prosa zu schreiben.

Oder es liegt vielleicht im Wesen der Prosadichtung, dass wir raetselhaft, undefinierbar, irgendwie stets veraendert wirken, obwohl die Worte scheinbar dieselben sind. Zum Beispiel als ich als Student in Iowa fuer mein MFA (Masters in Fine Arts) arbeitete, uebergab ein anderer Student dem Workshop eine Story. Ich hielt sie fuer brillant, die Art von Story, die mich neidisch machte und mich inspirierte noch besser zu schreiben. I wuenschte ich haette diese Story geschrieben. Scott Spencer, der Dozent fuehlte das gleiche fuer die Story und ueberreichte sie im Namen des Autors, einem  Journal. Es gab jedoch viele andere Studenten im Workshop, die von der Story nicht so wie wir angetan waren und die uebliche Kritik uebten: Sie hat Probleme, sie muss ueberarbeitet werden, hier muss sie verlaengert, dort verkuerzt werden, die Gefuehle muessen deutlicher erklaert werden, und so weiter, und so weiter....Sechs Monate spaeter erschien die Story und brachte dem Autor viel Lob und die Aufmerksamkeit einiger Leute, die auf der Suche nach neuen Talenten waren. Wie schoen fuer ihm, schliesslich ist er ja mein Freund. Dann las ich die Story noch einmal. Wieder fuehlte ich grossse Bewunderung, aber meine anfaengliche Ehrfurcht war traurigerweise nicht mehr da. Alle Dinge verblassen und sterben. Das Universum bewegt sich in Richtung Entropie. Wie ist das zu erklaeren. Vielleicht sollte man hier einen Physikus zu Rate ziehn.

Ein weiteres Beispiel: Die erste Story, die ich veroeffentlichte, waere beinahe gescheitert. Ich schrieb sie vor ein paar Jahren, im Laufe eines dreiwoechigen Workshops. Das war mein erster Workshop und noch bevor ich dem Iowa-Workshop beitrat. Die erste Story, die ich einreichte, wurde mit einer Mischung von Lob und Ablehnung aufgenommen. Mein erster Versuch ein literarisches Meisterwerk zu schreiben war gescheitert. Ich war aergerlich und niedergeschlagen. Nicht nur weil meine Story keinen Anklang fand, obwohl das auch eine Rolle spielte, sondern weil ich keine Story geschrieben hatte, die man lieben wuerde. Anstatt weiterum missmutig zu sein, machte ich mich daran eine Story zu schreiben,die jenseits jeglicher Anfechtung sein wuerde. Ich schrieb wie im Fieber, zwoelf, vierzehn Stunden pro Tag und das zehn Tage hintereinander.  Ich wusste, das was ich schrieb gut war, ich wusste es einfach. Und diesmal war das Lob – Bescheidenheit beiseite – ueberwaeltigend. Natuerlich gab es die stillen Dissidenten, aber gibt  es die nicht immer? Ich jedoch fuehlte mich geraecht. Ich sandte die Story an die " Atlantic ", die sie, so wie sie war, allerdings begleitet von ein paar freundlichen Worten von Mike Curtis, ablehnte.

Dasselbe Schicksal widerfuhr  ihr beim " New Yorker ". Als naechstes kam " Die Story " an die Reihe, die sie mir auch zurueckschickten. (im SASE,das ich beigefuegt hatte, stand wiederum viel Lob). Auf Wunsch von Lois Rosenthal, die Herausgeberin, sandte ich ihr nun Story um Story.  Sie lehnte alle ab, jedoch liess sie mich jedesmal wissen, dass sie die erste Story, die ich ihr geschickte hatte, immernoch am liebsten mochte. Schliesslich fragte ich sie ob sie von dieser Story eine neue Version haben wolle. Sie bejahte und zwei Wochen spaeter kaufte sie die Story. Stelle man sich vor!!! Meine Revision bestand nur aus einem zusaetzlichen kurzen Paragraphen. Vielleicht war es dieser Paragraph, den die Story brauchte. Oder vielleicht hat Lois ihre Meinung geaendert. Mag sein, dass das im Wesen der Publikation liegt, oder auch im Leben selbst.

Da gibt es eine Story in meiner Sammlung, es ist diese eine, die mir am raetselhaftesten erscheint. Es ist eine meiner liebsten Storys und hat eine Tendenz den Leser zu verwirren. Mein Verleger liebt sie, andere Leute loben sie, und meine Agentin  hasst sie. Sie sagt, die Story ist nicht so reif wie meine anderen. Natuerlich stimme ich ihr nicht bei. Wenn ich meinem Verleger glaube, muesste ich logischerweise auch meiner Agentin glauben. Beide aeussern nur ihre Meinung. Und da ich meiner Agentin nicht glaube, kann ich also auch nicht meinem Verleger glauben.. Und was ist wenn ich in Zukunft meiner Agentin eine Story schicke? Was soll ich mit ihrer Meinung, ob positiv oder negativ, anfangen? Dasselbe gilt fuer meinen Verleger. Ich weiss keine Antwort darauf. Schliesslich war sie es, die dagegen war, dass drei meiner Stories den anderen beigefuegt wurden. Ich war dafuer, aber sie war der Ansicht, dass diese drei nicht die noetige Reife hatten. Ich gab ihr recht, so taten es andere und nicht nur meine Freunde, auch Agenten und Herausgeber. Aber natuerlich war ich ein junger Schriftsteller und sie hielt die Karten in der Hand. Mir sollte es recht sein.  Die Sammlung ist wahrscheinlich so besser dran. Summa summarum, habe Selbstvetrauen. Du magst  moeglicherweise nicht recht haben, aber wenn du Vertrauen zu dir selbst hast, wirst du nie den Unterschied merken.

Ein anderes Beispiel: Wiederum reichte einer eine Story waehrend des Workshops ein. Ich war erstaunt und peinlich beruehrt, dass ich die Arbeit dieses Autors  bisher nicht mochte. Aber diese Story hob meine Welt aus den Fugen, ich wuenschte ich haette sie geschrieben. Wiederum stiess die Story auf eine Wand von Kritik. Manche hielten sie fuer einfach schrecklich. Diese Reaktion machte mich zornig. Ich wollte nicht, dass die Story, auch nur um einen Strich geaendert wird.  Ich befuerchtete, dass der Autor sich die negativen Kommentare zu Herzen nimmt, und eine gute Arbeit ruiniert.

Ich war auch aergerlich weil hier klar zu Tage kam, dass nichts das ueber eine Story gesagt wurde, ob es nun von Studenten, der Fakultaet, dem Workshob oder dem Verlag, dem Agenten oder dem Leser kam, irgendwelchen Unterschied machte, irgendwelche Bedeutung hatte. Kritik hat kein Gewicht. Kritik ist nur eine Meinung, und jeder hat eine. Einige sogar mehrere. Mag sein, dass es sich hier um ein Problem der Physica handelt. Mag sein, dass der Schriftsteller einfach in Ruhe gelassen werden sollte, sodass er ganz nach seinem Belieben schoepferich wirken  kann. Alles andere, wie Workshop, Veroeffentlichung, Reviews, Preise, Unsterblichkeit (falls es das ist wonach Sie streben), ist arbitraer. Es hat nichts mit excellence zu tun. Jedoch, wie hoert sich das Klatschen von einer Hand an? Wie stehts mit dem Geraeusch wenn im Wald ein Baum umfaellt und keiner da  ist, um es zu hoeren? Existiert Kunst ohne eine Audienz ? Vielleicht dreht es sich hier um ein Problem der Philosophy? Das weiß ich nicht. Ich bin nur ein Kurzgeschichtenautor...

Schreiben ist ein Glaubensakt; eine heikle Balance zwischen Arroganz und Naivitaet; der Glaube an das was man schreibt, und dass dies wert ist geschrieben zu werden. Spielen sie mit der Waage und die Faehigkeit grosse, bedeutende Prosawerke zu schreiben fliegt aus dem Fenster. Denkt man zu lange nach, wie eine Story verbessert werden kann, riskierst man dass diese vollkommen zerstoert wird, wie auch der Glauben und das Vertrauen, die man in die Arbeit steckt, die einem erlauben die Story zu schreiben. Und dann, genau dann, sitzt man in der Tinte.

Artikel von Brian Fleming Brian-F@WriteMovies.com

Übersetzt von Dr. Puri.

 
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